Urlaubstagebuch 2009, Teil V

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Am vorletzten Tag unseres Rhodos-Aufenthaltes haben wir uns nochmal die Hauptstadt der Insel angeschaut: Rhodos Stadt, eine alte Ritterstadt, in deren Stadtkern noch der Flair von mittelalterlicher Bauweise zu spüren ist, wie es seitens Reiseführer hieß.

Das hat den historischen Hintergrund, dass Rhodos nämlich ein heißumkämpftes Eiland war, auf dass die Griechen, aber auch die Römer, Byzantiner und die (geografisch näher liegenden) Osmanen Anspruch erhoben. Im ersten Kreuzzug eroberte der Johanniter-Orden die Insel und befestigten vor allem Rhodos gegen die muslimischen Angriffe. Dazu wurde eine gewaltige Stadtmauer und mannigfaltige Abwehrmöglichkeiten um den alten Stadtkern gebaut, die alle heute noch stehen. Die Altstadt gehört schon lange zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Und war da nicht auch mal das Weltwunder „Koloss von Rhodos“?

Es gab viel herauszufinden.

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Natürlich ist Rhodos Stadt mittlerweile deutlich über die oben erwähnte Stadtmauer hinausgewachsen, und auch hier findet sich sehr schöne Architektur, die stark osmanische Züge aufweist (bilde ich mir zumindest ein). Das verwundert insofern nicht, weil der Einfluss der Osmanen natürlich ob der räumlichen Nähe nicht wegzudiskutieren ist. Was sich übrigens auch auf’s Essen niederschlägt, das auf Rhodos noch ein bißchen anders sein soll als typisch griechisch.

Aber nicht abschweifen, hinein geht’s in die Altstadt.

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Erste sehr alte Gemäuer lassen schon vor der Stadtmauer erahnen, was für ein Baustil uns in der Altstadt erwarten sollte.

In die Altstadt hinein kam man nur durch eines von 16 Stadttoren, die so aussehen:

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Man bekommt gleich einen guten Eindruck der Höhe der Stadtmauer. Jetzt muss man noch dazu wissen, dass ich mich gerade auf einer ca. 20 Meter langen Brücke befand, und dass diese Brücke über einen ebenso langen und bestimmt 5 Meter tiefen Graben führte. Da geht mir dann schon ziemlich schnell die Phantasie aus, wie man diese Festung erobern sollte. Aber wir kamen ja auch so rein.

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Direkt hinter der Stadtmauer konnte man dann schon die ersten Höfe einblicken und natürlich die alten Gemäuer. Es herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre, wie man vielleicht erahnen kann.

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In einem der oben schon gesehenen Kübel fläzte dann auch sehr relaxt eine Katze rum (eventuelle Ähnlichkeiten mit historischen Persönlichkeiten sind ihr sicher nicht bewusst). Nicht die erste, die wir sahen, und beileibe nicht die letzte. Streunende Katzen gibt es in Rhodos Altstadt unglaublich viele, an jeder Ecke liegt eine rum und döst. Das war wohl eine Zeitlang für die Rhodianer und vor allem die Touris ein Problem, mittlerweile werden die Straßentiger einfach als Inventar akzeptiert. Nur anfassen soll man sie nicht.

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Auch die Altstadt hatte natürlich eine Touri-Meile, wobei ich hier positiv überrascht war. Sicher, es gab viele Läden dieser Art, aber so richtig genervt hat das nur in dieser einen Straße.

Nein, Moment. Richtig genervt haben die Restaurantbetreiber, die einen beim Vorbeigehen angequatscht haben und uns an ihren Tisch „gebeten“ haben. Teilweise sehr aggressiv und fast beleidigend. Also haben wir uns in die Seitengassen verzogen. Dort fand man manch nettes Plätzchen, wie zum Beispiel das folgende:

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Eine Taverne ohne Fenster. Öhm…

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Beim Seitenstraßen-Hopping kamen wir natürlich immer wieder auf die „Fußgängerzone“ zurück, die hier an einem faszinierenden Gebäude vorbeiführt. Ein Leuchtturm? Passen würd’s, der Hafen ist in Sichtweite.

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Ein weiterer Turm, der sogenannte Rojol. Der einzige Uhrenturm der Altstadt.

urlaub09_rhodos-stadt_10Nochmal derselbe Turm, andere Ansicht. Außerdem sieht man auf diesem Foto deutlich: Wolken am Himmel. Das ist deswegen eine Erwähnung wert, weil sonst kaum Wolken über Rhodos zogen. Aber das hab ich schon mal angedeutet, oder?

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Die gesamte Altstadt ist übrigens noch bewohnt, ca. 6.000 Menschen leben noch in den alten mittelalterlichen Gebäuden.

Wir entfernten uns dann ein bißchen weiter von den vielen Menschen und drückten uns durch die engen Gässchen Richtung Norden. Warum Richtung Norden? Naja… immer der Nase nach halt.

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Fortbewegungsmittel Nummer 1 ist übrigens, und deswegen steht er hier auf diesem Bild nicht das erste Mal dekorativ in der Gegend rum, der Motorroller. Rhodianer aller Altersklassen knattern mit solchen Rollern aller Altersklassen durch die Gassen der Altstadt, überall hört man das Geröhre oder muss zur Seite hüpfen und Platz machen.

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Eine weitere Gasse.

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Idyll zu Mittag mit den letzten Schatten, bevor zwischen 14 und 16 Uhr die Sonne senkrecht über Rhodos steht und runterbrennt. Wer genau hinguckt findet 3 Katzen. Wie gesagt, sie sind überall.

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Zugang zum Altstadt-Theater. Etwas trostlos, aber wer will zur Mittagszeit auch ins Theater gehen? Abends tobt hier bestimmt der Bär.

urlaub09_rhodos-stadt_18Und dann standen wir plötzlich und unerwartet an der Stadtmauer. Die sind wir dann weiter entlanggelaufen, denn wir wollten uns auf jeden Fall nochmal den Großmeisterpalast anschauen, zumindest von außen.

Der Großmeisterpalast liegt auf einem Hügel in der Altstadt und ist ein riesiger Klotz, den die Johanniter sich damals selbst gebaut haben.

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Hier sieht man, finde ich, sehr schön den Charme der Altstadt von Rhodos: Gewaltige Befestigungen, die eine gewisse Uneinnehmbarkeit ausstrahlen. Und gleichzeitig entspannte Gemütlichkeit beim Sitzen im Grünen. Ich weiß nicht, wie’s Euch geht, aber auf mich wirkt das beeindruckend.

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Zwischen 2 Mauerabschnitten steht dieser Baum. Der ist nicht nur interessant, weil er auf festem Untergrund steht (und damit ist nicht feste Erde gemeint, sondern fester Stein), sondern auch wegen der kugelrunden Felsen, die unter ihm und um ihn herum liegen. Kunst?

Würde insofern passen, weil direkt eine von Künstlern besetzte Straße daneben liegt:

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The Trees Have Eyes!

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Gegenüber dem Augenbaum diese Mauer, aus der sogar noch alte Kanonen rausgucken. Dahinter die Mauer gehört zum Großmeisterpalast, den ich in seiner ganzen Pracht irgendwie nicht richtig auf’s Bild gekriegt hab. Ist aber auch gewaltig, das Ding. Im im folgenden Bild sieht man ihn aber oben rechts:

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Hier sind wir schon wieder außerhalb der Altstadt, stehen auf der anderen Seite des Grabens. Denn wir wollten uns noch eine weitere historische Stätte anschauen, die für Rhodos nicht unbedeutend ist: Der Hafen von Rhodos.

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Auf dem Weg dorthin kamen wir noch an weiteren alten Gebäuden vorbei, wobei dieses deutlich nach der Altstadt entstanden ist. Trotzdem charmant.

Und direkt am Hafen gelegen, dessen Einfahrt von den Italienern während deren Besatzung so gestaltet wurde:

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Gegenüber, wo die zwei dunklen Poller stehen, steht eigentlich das Pendant zu der im Vordergrund stehenden Säule mit einer Hirschkuh obendrauf. Dies sind die Wappentiere der Insel. Die Hirschkuh wird aber im Moment restauriert.

Mancher behauptet, dass der legendäre Koloss von Rhodos hier gestanden haben soll: links der eine Fuss, rechts der andere. Dazu müsste er aber einen enormen Spagat gemacht haben, denn obwohl er natürlich mit über 60 m enorm groß gewesen sein soll, ist der Abstand vom einen Stück Land zum anderen doch sehr weit. Das ist auch einer der vielen Gründe, warum der Koloss eigentlich gar nicht hier, sondern in der Altstadt gestanden haben soll. Genauer gesagt beim Helios-Heiligtum, denn der Koloss war eine Statue des Sonnengottes, der auf Rhodos sehr vereehrt wurde. Nur hat man bisher dieses Helios-Heiligtum nicht gefunden.

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Ein Blick auf weitere Gebäude mit türkischem Einschlag.

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Und direkt gegenüber dieses Meisterwerk. Gibt also nicht nur schöne Gebäude in Rhodos. Dies ist ein Kino, in dem auch gerade ein Kurzfilmfestival vorbereitet wurde, das aber leider erst an dem darauffolgenden Wochenende anfangen sollte.

Wir bewegten uns noch ein bißchen abseits des Touristenzentrums und drangen in das Rhodos der Rhodianer vor, um ein bißchen Gefühl dafür zu bekommen, wie’s sich so lebt, wenn man auf Rhodos lebt. Und nicht nur Urlaub macht.

Wenn man als Großstadtkind allerdings dorthin kommt, fällt sofort die Ruhe auf, die hier vorherrscht. Mag an der Mittagshitze liegen oder an der Tatsache, dass halt „nur“ 57.000 Einwohner in Rhodos leben, was im Grunde ja mehr ein großes Dorf ist.

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So sehen manche Wohnhäuser in Rhodos aus. Sehr elegant, wie ich finde. Schön ist vor allem, dass auch öffentliche Einrichtungen in solchen Gebäuden untergebracht sind wie zum Beispiel Kindergärten.

Im nicht so hübschen Teil von Rhodos standen dann allerdings auch echte Gruselbunker rum, wie das folgende Wohnhaus:

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Von dort sind wir dann auch bald wieder zum Busbahnhof gelaufen, denn langsam machte uns die Hitze etwas müde. Wir befanden uns auch direkt in dem Zeitfenster, dass ich oben schon beschrieb, in dem die Sonne direkt von oben kam.

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Also suchten wir uns schattige Wege, wie hier nochmal im Stadtwald. Und als wir dann im Bus saßen, war eh alles egal, weil der wieder schön klimatisiert war.

Der Trip nach Rhodos Stadt war definitiv der ermüdendste während der Woche Urlaub auf der Insel, aber auch der spannendste. Als letztes Highlight des Urlaubs perfekt, zumal wir am letzten Abend nochmal mit dem spektakulären Sonnenuntergang verwöhnt wurden, den ich als Header für diesen Urlaubsbericht verarbeitet hab (und der auch nur so großartig aussah, weil es die so seltenen Wolken am Himmel hatte).

Am darauffolgenden Tag sollte es dann auch schon wieder nach Hause gehen, und zwar recht früh um 8 Uhr morgens. Dass wir irgendwann eine Nachricht von unserem Reiseveranstalter bekamen, der Start unseres Fliegers wäre wegen einem Streik der griechischen Fluglotsen nach hinten verschoben, stimmte uns an dem Abend noch fröhlich. Der nächste Tag war aber eher anstrengend, doch dazu Anfang nächster Woche mehr im letzten Teil des Urlaubstagebuchs.

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